WERRATALER
JUNGS
ONLINE

Home   >    Bildergalerie    >    Turmsprengung in Breitungen

 

Sprengung des Breitunger Kraftwerksturms

(höchstes Gebäude Thüringens)

am 6. August 2005

 

Samstag, 6. August, 15 Uhr 21. Ein Knall erschüttert die 6000-Seelen-Gemeinde Breitungen. Der Heimatort der Werrataler Jungs ist im Ausnahmezustand. Mit einer kontrollierten Sprengung wird der 200 Meter hohe Schornstein des ehemaligen Heizkraftwerks II aus der Landschaft gerissen. Breitungen, der idyllische Ort an der Werra, verliert sein wohl markantestes Wahrzeichen.

 

Innerhalb von wenigen Sekunden ist das höchste Bauwerk Thüringens in sich zusammengefallen. Die Schlote bei Gera sind zwar noch höher, gelten aber nach Expertenmeinung aufgrund der Bebauung der Umgebung als nicht sprengbar. Der Breitunger Turm hingegen ist sprengbar. Eine ausgetüftelte Falt-Technik bringt den Riesen zu Fall. Und so liegt er nun da, in Schutt und Asche. Eine dicke Staubwolke zieht vom Kraftwerksgelände durch den Ort.

 

Fast sechs Jahre hatte es gedauert, den Schornstein zu errichten. Von 1984 bis 1990 ließ die DDR den fast 13 Meter dicken Schlot als Teil des Kraftwerks errichten. 700 Millionen Mark soll das Projekt verschlungen haben. Doch bereits zu seiner Fertigstellung war die Anlage technisch überholt. Nach nur kurzer Betriebsdauer erfolgte im Jahr 1992 aus wirtschaftlichen Gründen die Stillegung des gesamten Komplexes.

 

Drei Tage Volksfest

 

Breitungen feiert das Ereignis mit einem Volksfest. Ein riesiges Festzelt wurde aufgebaut. Das Rahmenprogramm ist umfangreich. Freitag Rocknacht, Samstag Tanz mit einer Oktoberfestband sowie Höhenfeuerwerk, Sonntag HR3-Party. Wer mit dabei sein will, muss kräftig in die Tasche greifen. Bis zu zehn Euro kosten die Abendveranstaltungen. Ein Fanclub-Mitglied der Werrataler Jungs meint: "alles nur Abzocke" und pfeift auf die Sprengung und das ganze Drumherum. "Geschmackssache" sagen wiederum andere.

 

Rund 10 000 Gäste aus Nah und Fern verfolgen jedenfalls das historische Ereignis in Breitungen - die Meisten ganz aus nächster Nähe am Kulturhaus. Einen noch besseren Blick auf das Geschehen hat man aus dem Hubschrauber. Für den Zeitpunkt der Sprengung hat sich das MDR-Team den Helikopter gesichert. Um 19 Uhr ist der Fall des "Breitunger Lulatsch" in den Regionalnachrichten zu sehen. Das ZDF-Heute-Journal berichtet ebenfalls aus dem Werratal. Breitungen in der Glotze ganz groß - zwischen Messerstechern in München und Astronauten auf der ISS.

 

Nachnutzung des Areals steht schon fest

 

Nach dem dreitägigen Fest wird wieder Ruhe einkehren in der Gemeinde. Das Geröll wird verschwinden und auf dem Gelände des alten Kraftwerks wird ein "Naherholungs- und Tourismuszentrum" entstehen. Was den Breitunger jetzt noch bleibt ist die Erinnerung an ihr Denkmal, das nur 15 Jahre nach seiner Fertigstellung dem Erdboden gleich gemacht wurde. Der Blick aus dem Fenster macht deutlich - das letzte Überbleibsel eine Ära ist verschwunden.

 

Text/Fotos:  Robert Nößler

 

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

 

Der Breitunger Turm vor und nach der Sprengung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos:  Robert Nößler