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Mitgliederversammlung der Werrataler Jungs

zum Saisonabschluss am 4. Juni 2005

 

RWE-Manager Stephan Beutel und Ehrenmitglied Norman Loose im Breitunger Klubhaus zu Gast

 

Sportlich gesehen gab es für den FC Rot-Weiß Erfurt in der abgelaufenen Saison nicht viel Grund zu feiern. Nach dem 34. Spieltag der 2. Bundesliga landeten die Rot-Weißen auf dem 18. und letzten Tabellenplatz - der sportliche Abstieg in die Regionalliga war damit besiegelt. 

 

Da jedoch zum Saisonende bekannt wurde, dass zum Erhalt der Regionalliga-Lizenz 500 000 Euro im Saisonetat fehlen und darüber hinaus eine Bürgschaft über 1,3 Millionen Euro erbracht werden muss,  rückte die Lizenz für die 3. Liga plötzlich in weite Ferne. Zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am Samstag, dem 4. Juni, luden die Werrataler Jungs deshalb RWE-Manager Stephan Beutel ins Breitunger Klubhaus Kleeberg ein. In einer spannenden Diskussionsrunde erfuhren die 20 anwesenden Sportfreunde und Mitglieder mehr über die aktuelle Finanz- und Sachlage bei Rot-Weiß.

 

Gleich zu Beginn versicherte der 39-Jährige, dass er ausschließlich gekommen sei, um "offen zu sprechen", was er nach Beginn der Veranstaltung um Punkt 19 Uhr auch tat. Er betonte, dass die Situation "brutal schwierig" sei, hatte aber auch seinen Humor nicht zu hause vergessen: "Das Wetter ist gut, das ist das Einzige, was im Moment bleibt". Fünf Tage nach der Trennung von Cheftrainer Jan Kocian plauderte der Manager aus dem Nähkästchen. Die Konflikt-Situation mit dem Slowaken habe sich intern bereits seit einiger Zeit angedeutet. "Wir brauchen im Moment Leute auf allen Ebenen, die die schlechte Situation als Herausforderung annehmen", sagte der Manager, der seit Dezember 2004 dieses Amt bei Rot-Weiß bekleidet. "Wer das nicht tut, kann aufhören", so Beutel. Verhandlungen mit einem Nachfolger seien bereits angelaufen. Fest steht bisher jedoch nur, dass ein Assistenztrainer aus dem eigenen Lager "rekrutiert" werden soll.

 

Die akuten wirtschaftlichen Probleme des Vereins sind laut Stephan Beutel in erster Linie auf die Vergangenheit zurückzuführen. Bei jahrelang fehlender Kontinuität wurde meist "Geld aus dem Fenster geworfen ohne sportlichen Erfolg einzufahren". Der 39-Jährige verwies dabei auf die Zahl von 19 Präsidenten bei Rot-Weiß binnen 15 Jahren. Auch die Unerfahrenheit leitender Figuren beim Verein sowie den Einsatz ehrenamtlicher Arbeiter im Profibereich kritisierte er in seiner Rede. Das Kernproblem sei insgesamt die Herangehensweise an die Zweitliga-Saison 2004/2005 gewesen. "Der Spielbetrieb wurde völlig falsch berechnet", verdeutlichte der Rot-Weiß-Manager.

 

Zu der Entwicklung von Spendenaktionen zur Herstellung der Liquidität des Vereins äußerte sich Beutel nur zurückhaltend. Bisher habe es zwar viele positive Signale gegeben, die dafür sprächen, dass die Lizenzerteilung zu realisieren ist. Eine Sicherheit, das nötige Geld zusammen zu bekommen, könne aber niemand geben. "Alle gehen hier ins Risiko", betonte Beutel. Zentrale Person bei der Suche nach einem Bürgen über 1,3 Millionen Euro ist der Vorstandsvorsitzende Rolf Rombach. Er sei rund um die Uhr unterwegs, um die Lizenz für die 3. Liga zu ermöglichen. Spekulationen um eine Bürgschaftsübernahme von Seiten der Sparkasse Mittelthüringen wies Beutel jedoch zurück. Klar sei auch, dass vom Land Thüringen momentan keine finanzielle Unterstützung zu erwarten ist. Ministerpräsident Dieter Althaus bot jedoch bei der Vermittlung eines bürgschaftsfähigen Thüringer Unternehmens Hilfe an. 

 

In den letzten Tagen wurde durch Medienberichte (u.a. Thüringer Allgemeine) bekannt, dass zur Zeit die Klage eines Darlehensgebers vorliegt, der vor Jahren ein Privatdarlehen in Höhe von 1,6 Millionen an der Verein zahlte. Dieser wolle nun vor dem Landgericht 138 000 Euro Zinsen einklagen, was in der aktuellen Lage einen herben Rückschlag bedeuten würde. Beutel bestätigte diese Entwicklung zwar, verwies aber darauf, dass die Klage bis zur Lizenzerteilung keine Rolle mehr spielen würde. Bei dem Kläger handelt es sich wohl um den Kinowelt-Betreiber Michael Kölmel.

 

Sollte der Fall der Fälle tatsächlich eintreten und am 10. Juni die Lizenz verweigert werden, so würde für den FC Rot-Weiß wohl oder übel der Absturz in die Landesliga folgen. In der Oberliga hätte der Verein finanziell keine Chance zu überleben und müsste deshalb bei Lizenzverweigerung einen Insolvenzantrag stellen. Der mögliche Aufstieg der RWE-Amateure hätte dann essentiell auch keinen Wert mehr für den Verein. Dieses Horrorszenario gilt es zu verhindern. "Die Regionalliga ist ein absolutes Muss für Rot-Weiß, sonst droht eine lange Durststrecke", verdeutlichte Beutel. Auch die Vereinsstrukturen müssten dann völlig neu gestaltet werden.

 

Doch auch einen positiven Aspekt hob Stephan Beutel hervor. Die Entwicklung im Fanbereich in den letzten Monaten ist in seinen Augen schlicht "sensationell" gewesen. Trotz der vielen Misserfolge blieb die Unterstützung der Fans, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bestehen. Die Zweitliga-Saison 2004/2005 hatte für den RWE also auch etwas Gutes. Das nächste Ziel bei Erteilung der Lizenz für die Regionalliga 2005/2006 ist deshalb für ihn bereits klar: Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga. Beutel betonte: "Ich will so schnell wie möglich wieder in den Profibereich". Da kann man nur hoffen, dass seine Pläne am kommenden Freitag nicht durchkreuzt werden.

 

Text:  Robert Nößler

 

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Zur außerordentlichen Mitgliederversammlung durfte unser Präsident Sandro Möller den RWE-Manager Stephan Beutel willkommen heißen.  

 

 

Der 39-Jährige legte die rot-weißen Fakten offen auf den Tisch ...

 

 

... und das interessierte Fach-Publikum war dabei ganz Ohr.

 

 

Auch Ehrenmitglied Norman Loose kam zu Wort und erklärte die Gründe für seinen Wechsel zum FC Erzgebirge Aue ...

 

 

... ehe in gemütlicher Runde das ein oder andere Glas Bier auf den Tisch kam.

 

 

Frank, unser "Neuer" im Fanclub, freundete sich sofort mit Norman an. Kein Wunder - schließlich ist Norman derjenige, der den "Fanclub über Wasser hält".

 

 

Zum Abschluss gab es ein Gruppenfoto im "Salon" des Klubhauses.